Angstverhalten bei Hunden (Schlußwort)


Ich habe in den vorangegangenen Teilen versucht, in kurzen Worten der Angst auf den Grund zu gehen.
Es wurde erläutert, was Angst ist, wie und wann sie entsteht  und wozu die Angst dient.
Sie ist der wichtigste angeborene Schutzmechanismus und lebensnotwendig.
Weiter wurden die vielen Ausdrucksmöglichkeiten der Hunde ihre Angst auszudrücken beispielhaft erläutert.
Ein wichtiger Teil war die Unterscheidung von Angst, Furcht und Phobie. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nur allzu oft  werden diese Begriffe in einen Topf geworfen und alles der Angst zugeordnet.
Hier bestehen jedoch große Unterschiede. Angst ist eine angeborene innere sowie äußere Reaktion des Körpers auf Bedrohung. Furcht ist nicht angeboren, sonder wird erlernt. Die Phobie letztendlich ist die höchste Stufe der nervösen Unbehaglichkeit (die Angst vor der Angst).
Die Rektion bei der Konfrontation mit unbekannten Reizen war ein weiterer Teil der Angst-Reihe.
Es gibt 2 Modelle für die Reaktionen. Zum einen „The 4 F’s“ und „FEÜDA“. Die Verhaltensweise, die den größten Erfolg verspricht wird ausgeführt. Auch Erkrankungen spielen bei der Angstreaktion eine wichtige Rolle.
Angst ist bei jedem Tier individuell ausgeprägt und kann ganz unterschiedliche Erscheinungsbilder haben und deshalb ist die Arbeit mit Angstproblemen beim Hund ein schwieriges und oft auch langwieriges Aufgabenfeld.
Ich hoffe, dass ich Ihnen einen kleinen Einblick in die Angst bei Hunden geben konnte.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Angstverhalten bei Hunden (Teil 5)


Heute beschäftige ich mich mit der Reaktion des Hundes bei der Konfrontation mit unbekannten Reizen.
Es gibt zwei Modelle für die Reaktionen. Zum einen „The 4 F’s“ und zum anderen „FEÜDA“.
„The 4 F’s“ sind: Fight (Kampf), Flight (Flucht), Freeze (einfrieren), Flirt (herumkaspern).
„FEÜDA“ bedeutet: Flüchten, Erstarren, Übersprungshandlung, Drohen, Angreifen.
Meiner Meinung nach kann auch die Unterwerfung mit zu den Reaktionen gezählt werden.
Die Verhaltensweise, die den größten Erfolg verspricht, wird ausgeführt.
Welche Reaktion in einer Angstsituation gezeigt wird, hängt ganz davon ab, welche angeborenen Komponenten und welche Erfahrungen der Hund bereits hat.
 Ganz wichtig bei Angstreaktionen sind auch die Erbanlagen eines jeden Hundes. Zum Beispiel können Hütehunde eher eine Geräuschphobie entwickeln als andere Rassen und Terrier  reagieren in derselben Situation dagegen eher überaggressiv. Wie gesagt, das sind nur Beispiele.
Der Mangel an Erfahrungen, schlechte Erfahrungen oder die Kombination aus beidem gibt die Reaktion in Konfliktsituationen vor.
Eine wichtige Rolle bei der Angstreaktion spielen auch Erkrankungen.
Sie können der Grund für eine Angstreaktion sein, die der Hund im gesunden Zustand nicht zeigen würde. Solche Erkrankungen können z.B. sein: Erkrankung des Nervensystems, hormonelle Störungen (Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse), Schmerzen jeglicher Art, Seh- und/oder Hörstörungen, Gehirntumor, etc.
Erkrankungen können somit Ängste bestimmen und natürlich auch verstärken.
 
Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Angstverhalten bei Hunden (Teil 4)


Hier möchte ich nun den Unterschied zwischen Furcht und Phobie erläutern.
Wenn man von Furcht spricht, dann sind mehrere Kriterien zu beachten:
Furcht ist nicht angeboren, sondern wird gelernt.
Furcht tritt in einer zuvor als negativ erlebten Situation auf.
Furcht ist immer durch Erfahrungen bedingt.
Furcht ist eine emotionale Reaktion auf ein anderes Lebewesen, ein Objekt oder eine bedrohliche Situation.
Gefahrenmomente werden vom Hund erkannt und Wege zur Abwehr gesucht. Der Furcht liegt die Motivation für Flucht- und anderes Schutzverhalten zugrunde. Mit arteigenen Reizschwellen und Verhaltensprogrammen.
Wenn die Angstreaktion oder die Furchtreaktion extrem verstärkt und sehr schnell auftritt, dann spricht man von einer Phobie („all or nothing“). Es ist nicht mehr möglich, dass sich der Hund an das Unbekannte gewöhnt.
Phobie ist auch, wenn Angst oder Furcht vor Objekten, Lebewesen oder Situationen auftritt, obwohl von diesen keine Gefahr ausgeht und dieser Umstand auch bekannt ist. Die Phobie ist die höchste Stufe der nervösen Unbehaglichkeit. Phobie ist somit zu bezeichnen als die Angst vor der Angst.
Furcht ist lebensnotwendig, Angst kann krank machen!

Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Angstverhalten bei Hunden (Teil 3)


Hunde haben viele Möglichkeiten ihre Angst auszudrücken. 
Im Anschluss folgen hier ein paar Beispiele:
Sich ducken, die Rute senken oder einklemmen, den Blick abwenden, zittern, hecheln,
speicheln, hysterisch bellen, Harn- oder Kotabsatz, verstecken hinter „ihren“ Herrchen oder Frauchen (das kann bis zu Leerschnappen und/oder kurzem Zubiss führen), erhöhte Pulsfrequenz, Atemnot, etc.

Bitte machen sie jetzt nicht den Fehler z. B. zu denken „Oh, mein Hund speichelt. Jetzt hat er Angst.“
Die oben angeführten möglichen Ausdrücke von Angst sind immer im Zusammenhang mit der Gesamtsituation zu betrachten.
Hier ist nicht nur das momentan gezeigte Verhalten wichtig, sondern auch das Verhalten vor und nach der Angstsituation (möglicherweise sogar 20 Minuten vor- und nachher).
Es sind auch immer die äußeren Umstände mit einzubeziehen

Ich möchte nun auf den Begriff Angst etwas näher eingehen und ein paar Zitate zur Definition von Angst anführen.
„Angst gehört zur Gruppe der phylogenetisch alten Lebensschutzinstinkte. Wir sprechen von Angst, wenn das Objekt des Unbehagens nicht bewusst ist oder wenn keine Möglichkeit besteht, die Gefahr abzuwenden. …“ (nach Seidel, Schulz & Göllnitz 1980)

„Angst kennzeichnet also einen Zustand, der durch verfügbare Verhaltensprogramme nicht beseitigt werden kann, sei es durch mangelnde Reizidentifikation, sei es durch fehlende Verhaltensprogramme. …“ (nach Tembrock und Dathe 1978)

Angst ist eine angeborene innere sowie äußere Stressreaktion des Körpers auf Bedrohung.
Um Angst zu empfinden müssen nicht erst negative Erfahrungen gemacht werden.
Angst bewirkt ein Meideverhalten.

Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Angstverhalten bei Hunden (Teil 2)


Wann entsteht Angst?
Angst entsteht schon während der sensiblen, prägungsähnlichen Phase der Welpenentwicklung.
Ab der 5. Lebenswoche bildet sich im Gehirn ein Muster, mit dem später stets verglichen wird.
Bis zur Vollendung der 8. Lebenswoche führt dieses Muster im Gehirn bereits zu bevorzugten Reaktionen bei der Konfrontation mit Reizen (welche Reaktionen das sein können, darauf möchte ich später ausführlich eingehen).
Bekanntes lässt sorglos sein, Unbekanntes wird mit Unbehagen betrachtet, was sich zu Angst, Furcht und Phobie entwickeln kann (auch auf diese Begriffe komme ich später noch einmal zurück).
In dieser Phase der Welpenentwicklung spielen der Züchter und die Mutterhündin eine wichtige Rolle.
Wozu dient Angst?
Angst ist der wichtigste angeborene Schutzmechanismus und ist ein elementares, überlebensnotwendiges Gefühl aller höheren Lebewesen.
Angst ist ein die Sinne schärfender Schutzmechanismus, quasi eine sehr fein eingestellte Alarmanlage.
Diese Feinjustierung kann aber auch zu Fehlalarmen führen.
Angst ist angeboren und instinktiv.
Ohne Angst wären Hunde (und auch wir Menschen) nicht lebensfähig).

Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Angstverhalten bei Hunden (Teil 1)


Das Thema Angst ist sehr wichtig in der Hundeerziehung. 
Oftmals wird die Angst aber falsch interpretiert, bzw. ihre Bedeutung über- oder unterschätzt.
In diesen und den folgenden Hunde-Gedanken möchte ich deshalb auf dieses Thema eingehen.
Zur Beurteilung, ob ein Hund Angst hat oder nicht, müssen viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist es meines Erachtens auch eine Differenzierung vorzunehmen:
Ist der Hund eher vorsichtig oder eher unsicher?
Die Beantwortung dieser Frage hat Auswirkungen auf das Training mit dem Hund.

Was ist nun Angst?
Angst ist ein Grundgefühl (wie Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit, Überraschung), welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert.
Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen (etwa der körperlichen Unversehrtheit) sein.
Angst ist auch eine Emotion. Emotionen haben vorwiegend mit der Reaktion des Organismus auf externe Reize zu tun. Sie sind der Ausdruck von Bewertungen angetroffener Sachverhalte.
Die Klassifizierung erfolgt im Limbischen System (ein entwicklungsgeschichtlich alter Gehirnteil).
Emotionen werden dargestellt über das Ausdrucksverhalten, welches ein „Multi-Kanal-System“ ist.
Es ist aus folgenden Elementen zusammengesetzt:
         dem visuelle System
         den Lautäußerungen
         dem olfaktorischen System (Geruchsinn)
         dem taktilen System (Berührungsreize)
         dem Geschmacksreiz
Da Menschen und Hunde Emotionen über dieses „Multi-Kanal-System“ darstellen, kann Angst stimmungsübertragend wirken.

Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Schatten rettet Leben


Der Sommer ist da und mit ihm auch steigende Temperaturen.
Selbst wenn wir die Sonne noch so genießen: Hunde sollten den Sonnenstrahlen niemals schutzlos ausgesetzt sein. Sorgen Sie immer  dafür, dass Ihr Hund Schatten aufsuchen kann und nehmen Sie für unterwegs einfach einen großen Regenschirm oder ähnliches mit, der Ihrem Hund Schatten spendet, wenn kein Baum in Sicht ist. Wichtig ist auch, dass  immer genügend frisches Trinkwasser für den Hund zur Verfügung steht. Ein nasses Handtuch, das über den Hund gelegt wird, schützt vor Überhitzung.
Bitte lassen Sie Ihren Hund auf keinen Fall im Auto, sobald es anfängt, draußen wärmer zu werden.
Auch bei geöffnetem Fenster können sich sehr schnell Temperaturen von mehr als 60 Grad im Innenraum eines Autos entwickeln, das in der Sonne abgestellt ist.
Es ist nicht nur Tierquälerei einen Hund einer solchen Hitze auszusetzen, es kann auch zum qualvollen Tod des Tieres führen.                                                                                                                                 Wenn Sie Anzeichen einer Überhitzung oder eines Sonnenstiches bei Ihrem Hund feststellen: Den Hund mit einem nassen Tuch kühlen, Frischwasser anbieten und sofort und unverzüglich zum Tierarzt!                                                                                                                                                       Es reicht nicht aus, den Wagen im Schatten abzustellen. Wie schnell wird man aufgehalten. Die Sonne wandert und schon steht der Wagen nicht mehr im Schatten und im Wageninneren wird es „höllisch“ heiß. 
Auch bei bedecktem Himmel wird es im Auto rasch zu warm.
Im Gegensatz zum Menschen können Hunde sich nicht durch Schwitzen Kühlung verschaffen, sondern nur durch Hecheln. Wenn allerdings die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchte zu hoch sind, dann reicht das Hecheln nicht mehr aus.
Ein Sprung ins Wasser – in einen Bach oder in einen See - während des Spazierganges verschafft dem Hund eine Erfrischung  und Abkühlung und macht außerdem Menschen und Hunden Spaß. Wer die Möglichkeit hat, kann seinem Hund auch ein Planschbecken in den Garten stellen (sozusagen als Wellnessbereich). Ihr Vierbeiner wird sich darüber freuen.

Zum Schluss: Bitte überfordern Sie Ihren Hund bei erhöhten Temperaturen nicht und gönnen Sie ihm viel Ruhe und ein kühles Plätzchen.
Die „großen“ Gassirunden sollten also besser in die frühen Morgenstunden bzw. in die kühleren Abendstunden verlegt werden.

Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Hund und Mensch – eine Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit



“Der Hund –
Ein Tier? Ein Freund? Ein Helfer?
Ein Untertane?
Ein Zeitvertreib? Ein Kuscheltier?
Eine Kampfmaschine?
Ein Dummkopf? Ein laufender Pelz?
Eine Verantwortung? Ein Wunder?
Ein Katzen hassendes Unwesen?
Ich sehe ihn als ein Lebewesen,
und Du?”

Diese Worte eines unbekannten Autors haben mich sehr zum Nachdenken gebracht.
Aus diesem Grund habe ich sie auch in meine Homepage mit aufgenommen.
Es stellt sich hier die Frage nach dem „Warum?“. Warum haben wir Menschen uns den Hund als Partner ausgesucht (oder ist es nicht eher umgekehrt gewesen?).
Es gibt die unterschiedlichsten Gründe dafür, sich einen Hund als Begleiter zu suchen (hier haben wir es schon wieder: „als Begleiter“). Ich denke, es gibt auch nicht den einen Grund für einen Hund. Die Gründe sind so vielfältig wie wir Menschen und jeder in der Familie sollte sich ganz im Klaren darüber sein, warum er einem Hund ein Zuhause gibt. Jeder in der Familie sollte sich darüber klar werden, was er persönlich von dem Hund erwartet - hier ist eine gesunde Portion Realismus angebracht - und erst wenn sich alle einig sind, dann wird danach der Hund ausgewählt (bitte nicht erst den Hund aussuchen und dann überlegen, was man mit ihm denn nun anfängt).
Überzogene Erwartungen kann ein Hund nun mal nicht erfüllen (ebenso wenig wie wir Menschen) und niemand ist in so einer Situation glücklich. Man kann z.B. aus einem Jagdterrier keinen Hütehund machen.
Zum Schluss möchte ich noch etwas sehr Wichtiges hinzufügen, woran immer zu denken ist:
Der Hund ist ein soziales Individuum und als solches hat er sich unseren Respekt und unsere Achtung mehr als verdient.


Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz

Unser Welpe ist ein Junghund geworden-und nichts geht mehr…


Jetzt lebt unser Welpe schon eine geraume Zeit bei uns im Haushalt und entwickelt sich prächtig. 
Wir haben an alles gedacht und ihm geht es sehr gut bei uns.
Aber auf einmal ist nichts mehr wie vorher. Was sonst so gut funktionierte, wie z.B. „Sitz“, „Platz“ und „Hier“ klappt nun gar nicht mehr oder nur ansatzweise.
Was ist denn bloß los? Haben wir etwas falsch gemacht?
Viele Welpen-Besitzer haben so eine Situation wohl schon erlebt (oder werden sie vielleicht noch erleben) und sich auch diese Fragen gestellt haben.
Was hier passiert, ist nicht der Weltuntergang in der Mensch-Hund-Beziehung, sondern eine normale Entwicklungsphase unserer Hunde. Sie kommen genauso wie wir Menschen in die Pubertät (oder  in die „Schnöselphase“). Der Beginn der Pubertät (nennen wir es ruhig so) ist von Hund zu Hund unterschiedlich und genauso die Dauer. Über den Daumen kann man sagen, dass die Phase bei Hündinnen mit der ersten Läufigkeit und bei Rüden mit dem „Beinchenheben“ beginnt und sie dauert etwa ein halbes Jahr. Wie gesagt, das sind nur ca.-Werte.
Was passiert in dieser Phase der Entwicklung?
Jetzt laufen mehrere Prozesse gleichzeitig beim Hund ab:
Zum einen beginnt eine vermehrte Produktion von Testosteron bzw. Östrogen und das Gehirn strukturiert sich um. Hierbei werden die Verknüpfungen im Gehirn neu geschaltet und auch sogar einige gelöscht. Bisher hat der kleine Welpe alles Erlebte, Neue und Interessante wie ein Schwamm aufgesaugt und jetzt wird geprüft, ob dieses alles gebraucht wird und wenn ja, in welchem Umfang.
In dieser Phase der Entwicklung wird vom Hund auch gerne die Rangfolge bzw. die Führungsposition des Menschen oder der Sinn bestimmter Übungen in Frage gestellt.
Bitte denken Sie daran, dass Ihr Hund sich nicht aus Böswilligkeit so verhält, sondern er kann nicht anders.
Man kann sich denken, dass der junge Hund jetzt einiges erlebt und womöglich auch recht verwirrt ist. Wichtig für uns Menschen ist nun, unseren jungen Hund durch diese schwierige Phase hindurch zu begleiten und zu führen. Das geht umso leichter, je mehr man auf bisher Gelerntes zurückgreifen kann und das mit seinem Hund weiterhin übt und ihn fördert und fordert.
Wer jetzt die Hände in den Schoß legt oder gar aufgibt, der verpasst eine große Chance im Zusammenleben mit seinem Hund.

 Jens Eikelmann
Hundeschule Fränkische Schweiz